freii – Die App für eine bewusstere Mediennutzung

Villa Schöpflin – Zentrum für Suchtprävention (2026). freii. App, kostenlos, verfügbar für Android und iOS.

Medien sind zentraler Bestandteil der Lebensrealität von Jugendlichen und können ohne angemessene Unterstützung zum Risikofaktor werden. Die Begleitung der Medienerfahrungen sollte im Elternhaus beginnen. Unterstützung bietet die App freii. Das doppelte i symbolisiert die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Kindern und Eltern.

Die App besteht aus einem 21-Tage-Programm für Jugendliche und ihre Erziehungsberechtigten. Beide erledigen täglich drei- bis siebenminütige Challenges, allein oder zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf Risiko- und Schutzfaktoren der Mediennutzung. Risikofaktoren sind etwa mangelnde Freizeitstruktur, emotionale Belastungen, fehlende Regeln oder schwache familiäre Kommunikation. Schutzfaktoren sind klare Medienregeln, außermediale Aktivitäten, offene familiäre Kommunikation sowie soziale Unterstützung. Die Jugendlichen wählen innerhalb der App einen von vier Mentor*innen, die*der sie in kurzen Videos digital begleitet.

Die Challenges umfassen Informationen und Quizfragen zu Wissen und Nutzungsverhalten. Nach drei Wochen wird überprüft, ob sich das Mediennutzungsverhalten verändert hat. Die Herausforderungen werden anspruchsvoller, etwa wenn das Smartphone mehrere Stunden nicht genutzt werden soll. Dabei setzt die App auf Gamification, um die intrinsische Motivation zu steigern. Das Potenzial von freii liegt in der Zusammenarbeit von Kindern und Erziehungsberechtigten. Rund fünf Minuten pro Challenge lassen sich gut im Alltag unterbringen. Trotzdem wirkt es paradox, hoher und teils unbewusster Mediennutzung mit digitalen Medien zu begegnen, besonders da ein zentrales Ziel darin besteht, mehr Zeit ohne digitale Geräte zu verbringen.

Zu kritisieren ist, dass die Anwendung strukturelle Probleme Sozialer Netzwerke wie intransparente Algorithmen und mangelnde Schutzmaßnahmen vernachlässigt. Da sie Medienkompetenz durch Anregungen statt Verbote stärkt, kann sie helfen, die eigene Medien­nutzung zu beeinflussen.

Positiv ist die wissenschaftliche Fundierung. Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Effektstudie (2025) zeigt, dass rund 42 Prozent der Jugendlichen und 52 Prozent der Erwachsenen die Anwendung abschlossen und das Programm problematische Internetnutzung signifikant reduzierte. Langzeitstudien fehlen bislang.

Insgesamt stellt freii ein niedrigschwelliges Angebot dar, um das eigene Mediennutzungsverhalten und die Medienerziehung zu reflektieren. Ergänzend gibt es einen YouTube-Kanal und Schulworkshops für 11- bis 15 Jährige und ihre Eltern.

„freii – Die App für eine bewusstere Mediennutzung“ von Veronika Wagner (Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0)

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Kategorisiert als Medienbildung

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